Software-Entwicklung

Bei der Entwicklung einer Software wird zunächst der Istzustand aufgenommen bzw. bei "Erfinden" von völlig neuen Abläufen ein Sollzustand definiert. Danach erfolgt eine Systemanalyse mit Entwurf eines Sollkonzeptes und darauf basierender Bildung eines logischen Modells.

Wichtig ist zu verstehen, daß die Realität mit all ihren Möglichkeiten NICHT in ein EDV-System gepackt werden kann. Ein EDV-System arbeitet IMMER mit einem vereinfachten und logischen Modell der Realität, Vereinfachung heißt: weglassen von Dingen, die als unnötig eingestuft werden. Stellen sich diese weggelassenen Dinge später doch als nötig heraus, hat man ein Problem! Logisch heißt: es können KEINE unlogischen Abläufe abgebildet werden.

Die RICHTIGE Modellbildung ist entscheidend für die Qualität der Software, die nachfolgenden Schritte setzen auf das Modell auf und können grobe Fehler des Modells nicht geradebiegen. Ein Modell wird dokumentiert durch ein ausführliches Pflichtenheft (aufwendig), Datenfluß- und Programmablaufpläne. Das Modell wird dann in Datenstrukturen für ein Datenbanksystem und Codierung in einer Programmiersprache umgesetzt.

Für die Neuentwicklung eines kompletten Warenwirtschaftsystemes (Lager, Einkauf, Verkauf, Fakturierung, Kunden, Lieferanten, Artikel) muß, je nach Schwierigkeitsgrad (einfache Artikel wie z.B. Schrauben oder schwierige wie z.B. Lebensmittel (Mindesthaltbarkeiten, Chargenverfolgung, Rezepturen, unterschiedliche Gebinde)/einfache Fakturierung wie z.B. nur Einzelrechnung oder schwierige wie z.B. komplexe Sammelrechnungen), ein Aufwand von mehreren Mannmonaten bis mehrere Mannjahre einkalkuliert werden.

Für das Verständnis der Möglichkeiten eines EDV-Systems ist es wichtig zu verstehen, daß die Bildschirmmaske mit Kunden, die ich auf meinem Monitor sehe, NICHT ein einfacher Text ist, sondern von einer Codierung in einer Programmiersprache erzeugt wird, die wieder auf festgelegte Datenstrukturen in einem Datenbanksystem aufsetzen, das ganze basiert auf einem vor langer Zeit festgelegtem Modell meiner Geschäftsabläufe und ist weiterhin in einen Kontext von anderen Geschäftsvorgängen (Artikel, Aufträge, Lieferanten, etc.) eingebunden.

Das größte Problem in der Software-Entwicklung sind Änderungen im Istzustand, die bei der Modellbildung nicht berücksichtigt wurden oder werden konnten (die Kunden wollen jetzt doch die Zusammensetzung (Rezeptur) einer Schraube wissen). Hier zeigt sich die Qualität des Modellbilders, ein gutes Modell hat noch Erweiterungsmöglichkeiten.

Ein gutes Modell ist aufwendig aber erweiterbar, ein schnelles Modell (mal eben...) hilft kurzfristig, langfristig steckt man aber in einer Sackgasse.


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© Karl-Heinz Schreiter 1997-2012