
Am Anfang des neuen Jahrtausends finden sich die Menschen im Zeitalter der
wissensbasierten Ökonomie wieder. Die digitale Infrastruktur des Internet
verändert die traditionellen Paradigmen unserer Geschäftswelt nachhaltig.
Unternehmensführer tragen die Verantwortung für diese Herausforderungen und
lernen, daß die intellektuelle Produktivität ihrer Mitarbeiter zum wichtigsten
Kapital ihrer Unternehmen wird. Sie müssen erkennen, welchen Einfluß die neuen
Informationssysteme auf zukünftige Unternehmensprozesse haben, und dabei
spielt neben der Erkenntnis für diese Entwicklung vor allem ihre
Umsetzungsgeschwindigkeit eine entscheidene Rolle.
Das ökonomische Paradigma verändert sich
Das Verhältnis von Unternehmen zu Kunden intensiviert sich. Der Bedarf von
Kunden nach umfassenden Lösungsangeboten weicht der bisherigen Nachfrage
nach dem reinen Produkt. Maßgeschneiderte Produktlösungen in Verbindung mit
einem Maximum an Bequemlichkeit und Sicherheit für die Kunden definiert die
neue Kernkompetenz moderner Unternehmen. In nahezu allen Märkten stehen die
Unternehmen vor der Entscheidung, ihre traditionellen Vertriebs- und
Distributionskonzepte neu zu strukturieren. Die neuen Wettbewerber der
etablierten Unternehmen werden häufig zu spät wahrgenommen und verändern
in kurzer Zeit die gesamten Spielregeln des Marktes.
Auch bei der Beschaffung von Materialien, Produktionsmitteln und Services
vollzieht sich eine dramatische Veränderung innerhalb der Unternehmen. Der
Bedarf an flexiblen, transparenten und günstigeren Beschaffungsformen resultiert
aus den kürzeren Produktlebenszyklen und dem steigenden Kostendruck auf
Produktion und Dienstleistungen - ausgelöst durch den globalen Wettbewerb.
In über 15 Jahren Praxis als EDV-Softwareentwickler und -Organisator habe ich mehrere
Unternehmen gesehen, die gravierende Fehler im Umgang mit der IT (Informationstechnologie)
gemacht und viel Geld verschwendet haben. Das Problem ist, daß IT im Detail
immer logisch und deterministisch ist, unlogische Abläufe und Strukturen, die oft in
Unternehmen über die Jahre gewachsen sind, lassen sich logischerweise deshalb
in der IT nicht abbilden.
Da diese logische Grundlage aber von einigen Entscheidern leider nicht
verstanden und lieber den Schwätzern mit den bunten Bildern und vielen Versprechungen
geglaubt wird (selbst nachdenken und vielleicht unbequeme Entscheidungen treffen (Abläufe
und Strukturen verändern) ist ja so
anstrengend), können sich ein Heer von Vertriebsbeauftragten, die vor 3 Monaten noch
Kühlschränke verkauft haben, eine goldene Nase verdienen.
Ein weiteres Problem ist der sogenannte Lemming-Effekt: alle machen XY, also mach ich
das auch, obwohl das ja eigentlich für mich nicht wirklich paßt. Ja, will ich das als
Unternehmer denn wirklich - genau das gleiche machen wie meine Konkurrenz - genauso Einkaufen,
Produzieren, Verkaufen - genau bei den gleichen Lieferanten, Kunden, mit genau den gleichen
Maschinen, Produktionsabläufen? Nein, als erfolgreicher Unternehmer muß ich einen
Wettbewerbsvorteil haben, ich muß etwas anders machen als meine Konkurrenz, also auch
im IT-Bereich! Die Lemminge begehen kollektiv Selbstmord, ein einzelner Lemming, der nicht das
macht, was alle machen, hat hier einen massiven Wettbewerbsvorteil ;-).
Standards haben selbstverständlich eine Bedeutung, können jedoch nicht das alleinige
Kriterium einer strategischen Entscheidung sein.
Als Unternehmer muß mir folgendes klar sein:
IT-Entscheidungen sind strategisch
IT basiert auf Logik, wenn meine Abläufe nicht logisch sind und ich IT will, muß
ich meine Abläufe ändern
der RICHTIGE Einsatz von IT ist ein Überlebensfaktor
Standardlösungen passen für Standardabläufe, der logische
Umkehrschluß: keine Standardabläufe gleich keine Standardlösung!
Eine Nicht-Standardlösung nur dort, wo es mir einen Wettbewerbsvorteil bringt!
Mißtraue bunten Bildern, supertollen Versprechungen, Leuten die zu oft das Konjunktiv
(könnte, müßte, sollte, etc.) gebrauchen...
Nimm NICHTS als selbstverständlich an (das ist doch der Software-Marktführer,
der muß das doch können...), hinterfrage Dinge!
Eine EDV-Lösung kann nur so gut sein, wie die Leute die es bedienen. Wenn die Ausbildung
der Leute vernachläßigt wird, wird es nicht richtig funktionieren.
Als Unternehmer muß ich mir folgende Fragen stellen:
Habe ich RICHTIGE IT-Kompetenz zur Verfügung, d.h. nicht irgendwelche Klick-Jünger
die viel erzählen und mir aus Eigeninteresse etwas verkaufen wollen, sondern ECHTE
EDV-Kompetenz, die das Wohl meines Unternehmens im Auge hat?
Wer hat die Macht, die Anwender (die EDV muß unlogische Dinge tun, schlecht) oder
die EDV (auch schlecht) oder BEIDE (optimal)?
Ist mir klar, wieviel Aufwand VOR der Entscheidung für die BESTE Lösung betrieben
werden muß?
Ist mir die Komplexität von ALL-IN-ONE-Superlösungen klar?
Ist mir klar, daß >ICH WILL EIN EINFACHES SYSTEM, ES SOLL ABER ALLES
KÖNNEN< leider nicht funktionieren kann?
Ganz wichtig: Was passiert, wenn das EDV-System NICHT verfügbar ist??? Ein EDV-System ist
um ein vielfaches komplexer als z.B. ein Auto. Von einem Auto erwartet niemand das es
unkaputtbar ist, von einem EDV-System erwarten manche Leute (die keine Ahnung haben) das
schon... Deshalb: Für den Notfall vorbereitet sein durch regelmäßige
Datensicherung, Backup- und Notsysteme - abhängig von der Wichtigkeit der Systeme.
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